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Über Pflanzenheilkunde und die SIGNATURENLEHRE

Aktualisiert: 1. Sept. 2021

Dr. med. univ. Josef Hutter, ärztlicher Beirat von VITALSEE biotech im Gespräch mit Mag. Lechner, über die Bedeutung der Signaturenlehre, dem komplexen Einsatz der Pflanzenheilkunde in der Praxis und wie es kam, dass der Sohn eines Veterinärmediziners die Pflanzenheilkunde für sich entdeckte.


Ein Expertengespräch, geführt von Mag. Michaela Lechner und Dr. med. Josef Hutter, ärztlicher Beirat von VITALSEE biotech.

Der Allgemeinmediziner Dr. med. Josef Hutter MSc und ärztlicher Beirat von VITALSEE praktiziert ganzheitliche Medizin im VitaLogikum in der Nähe von Steyr. Die dort angewandten therapeutischen Methoden entstammen unterschiedlichen Weltgegenden und Kulturen. Das übergeordnete Ziel ist die Selbstheilungskräfte des Menschen zu aktivieren und ihm Selbstverantwortung zu vermitteln. Dadurch kann die Gesundheit eines jeden Einzelnen nachhaltig gefördert werden. Ein Behandlungsweg im VitaLogikum ist der gezielte Einsatz von Phytotherapeutika. Die Pflanzenkenntnis und deren gesundheitsförderliche Anwendungsmöglichkeiten umfassen bei Dr. Hutter einerseits das neuzeitliche Wissen über den Wirkstoffgehalt von Pflanzen, sprich die moderne Phytotherapie. Andererseits fließt auch altes Wissen, aus der individuellen Ausdruckskraft der Pflanze, in das Anwendungskonzept mit ein. Ich habe mich mit Dr. Hutter über dieses traditionelle Wissen um das Wesen der Pflanzen genauer unterhalten.

Josef, seit wann gibt es das VitaLogikum? Die Praxisgemeinschaft gibt es in der jetzigen Form seit sieben Jahren. Meine ärztliche Ordination habe ich vor zehn Jahren in der Saaß eröffnet. Seit dem Jahr 2000 bin ich selbständig tätig gewesen. Du arbeitest in deiner Praxis auch mit Pflanzen. Gab es dazu ein Schlüsselerlebnis wie du zur Pflanzenkraft gekommen bist? Ich hatte das Glück, auf einer Landwirtschaft in Altenmarkt-Zauchensee aufgewachsen zu sein. Meine Eltern betrieben eine Alm, auf der ich viele Jahre zubrachte. Wir Kinder halfen immer mit. Dadurch waren wir stets in der Natur unterwegs. In dieser Umgebung herrschte ein eigenes wunderbares Ökosystem. Dort wuchsen alle nur vorstellbaren Pflanzen. Ich sah die seltensten Orchideenarten blühen. Diese Zeit war für mich sehr prägend und wunderschön.


Mein Vater war als Veterinärmediziner tätig. Von ihm habe ich mir sehr viel über den wertschätzenden Umgang mit unseren Lebewesen abgeschaut. Er hatte ein überaus feines Gespür für die Tiere, die er behandelte, war es doch erforderlich in die erkrankten Tiere „reinzuhorchen“, die sich nicht wie wir Menschen in eine für uns verständliche Sprache ausdrücken konnten. Kurzum. Mein Vater hat mir viele Lebensphilosophien beigebracht, die bis heute noch in mir wirken.


Wie können uns Pflanzen bei der Gesundwerdung und Gesunderhaltung unterstützen? Die Bereiche sind sehr vielschichtig. Im therapeutischen Schema gibt es unterschiedliche Wirkmechanismen. Es gibt das stoffliche Wirkprinzip, wo die gesamte Pflanze oder ein Hauptwirkstoff daraus wie etwa das Colchicin der giftigen Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) isoliert und bei akutem Gichtanfall eingesetzt wird. Oder das Salicin aus der Weidenrinde (Salix), das im Darm zur schmerzlindernden und fiebersenkenden Salicylsäure umgebaut wird und die Grundlage für das uns bekannte Aspirin ist. Pflanzen wirken neben ihrer grobstofflichen auch auf einer feinstofflichen Ebene.

Sehen wir und dazu die echte Goldrute (Solidago virgaurea) und ihren Wuchs genauer an. Sie blüht gelb und ist eine auffällige, nach oben gerichtete und aufstrebende Pflanze. Goldrute stärkt unser Blasen-Nierensystem. Gemäß den alten Schriften heilt Goldrute zudem gebrochene Seelen und richtet diese Menschen wieder auf. Sie erfüllt uns mit Stolz und Würde. Dies ist die emotionale Komponente, die die Pflanze in uns anspricht.

Nehmen wir als weiteres Beispiel Maca bzw. Peru-Ginseng (Lepidium meyenii) her. Maca gehört zur Gattung der Kressen und wächst in den peruanischen Anden auf rund 2.500 Metern Höhe.


Die Maca Wurzel vermag unsere Energiebereitschaft zu verbessern, es ist ein gutes Aufbaumittel mit vielen Vitaminen und Spurenelementen, zudem wird die normale sexuelle Funktion unterstützt. Betrachten wir den Lebensraum der Pflanze, erkennen wir neben dem Wuchs in höheren Lagen ihre Widerstandsfähigkeit: sie kann sich im kargen Boden tief verwurzeln. Auf unsere Sprache übersetzt heißt dies, das Maca den Menschen gut verwurzeln kann und ihn dabei unterstützt, sich einen Überblick zu verschaffen. Mit dieser zusätzlichen Einordnung beschreiten wir den Weg der Signaturenlehre.



Erkläre uns bitte, was die Signaturenlehre genau besagt. Vereinfacht formuliert geht die Signaturenlehre aus der Naturbeobachtung hervor: Der Seinszustand einer Pflanze gibt Aufschluss über ihren heilkräftigen Einsatz bei uns Menschen. Hier nenne ich die Hirschzunge (Asplenium scolopendrium). Sie ist ein Streifenfarngewächs, das ausschließlich in lichtabgewandten, also „dunklen, tristen“ Habitaten wächst. Umgelegt auf uns Menschen, wird Hirschzunge bei Melancholie verabreicht. Weiters die Mistel (Viscum album), eine schmarotzende Pflanze, die aufgrund dieses Verhaltens in der Krebstherapie eingesetzt wird. Der Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) ähnelt in seinem Habitus einem Phallus. Aufgrund dieser Signatur wird der Baum auch für die Prostata verwendet.

Dazu möchte ich einen kurzen geschichtlichen Abriss geben: In unserer hiesigen heilkundigen Anschauung, der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM), wurde lange Zeit die Vier-Säfte-Lehre praktiziert, deren Wurzeln im Alten Ägypten zu finden sind. Dieses Prinzip besagt, dass ein ausgewogenes Säfteverhältnis (Eukrasie) im Menschen für seine Gesundheit verantwortlich zeichnet. Gerät diese Balance aus dem Gleichgewicht (Dyskrasie), sind Krankheiten die Folge. Diese Säfte Blut (Sanguis), Gelbe Galle (Cholera), Schleim (Phlegma) und Schwarze Galle (Melancholia) gingen aus den Elementen Luft, Feuer, Wasser, Erde hervor, denen die Prinzipien warm-feucht (Luft und Blut), warm-trocken (Feuer und Gelbe Galle), kalt-feucht (Wasser und Schleim) und kalt-trocken (Erde und Schwarze Galle) zugeschrieben wurden. Um die Säfte-Dysbalancen des Menschen wieder auszugleichen, wurde die Heilwirkung unserer Pflanzen nach diesen Prinzipien warm/kalt und trocken/feucht klassifiziert. Eine Pflanze mit kalt-feuchten Eigenschaften wurde demnach bei Krankheiten verwendet, die als heiß-trocken beschrieben wurden.


Beispielsweise ist der Chinesische Ingwer Bösenbergia rotunda ein Ingwergewächs mit Hitzeanteil, ist also warm-trocken. Das Rhizom eignet sich für jene Menschen, die einen kalten Magen besitzen. Boesenbergia rotunda wird bei akuten Magen-Darm-Erkrankungen und bei Verdauungs-problemen verwendet. Aus diesem Wissen heraus werden auch heute durch die Naturbeobachtungen Indizien gesammelt, für welche Befindlichkeiten die Pflanzen eingesetzt werden kann. Diese Kenntnis wird um Farben, Gerüche und vieles mehr ergänzt. So wurde eine holistische Betrachtungsweise geschaffen. Mit den Sinnen zu arbeiten ist essenziell, um Pflanzen durch reine Beobachtungsgabe in ihren jeweiligen Lebensräumen zu erkennen und für eine erfolgreiche Therapie mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu kombinieren. Dieses Wissen habe ich mir über zusätzliche Ausbildungen angeeignet. Meine Naturnähe begründet sich beispielsweise auch in der Absolvierung der HBLA Ursprung Elixhausen für alpenländische Landwirtschaft. Mit der Matura und Praxis erlangte ich den Agraringenieur sowie Facharbeiter für Land und Forstwirtschaft. Permakultur war ein sehr spannender Teil von dieser Ausbildung. Ich möchte die Naturzusammenhänge verstehen und zu unserem Wohl entsprechend einsetzen.

Wie setzt du die Pflanzen in deiner Praxistätigkeit genau ein? Ich arbeite vorwiegend mit Extrakten, Glycerin-Auszügen, mit Gemmo-Mazeraten und Urtinkturen. Ab und an kommen die Pflanzen in Form von Tee zum Einsatz. Kräuterabkochungen verwende ich für äußerliche Anwendungen wie etwa Waschungen oder Sitzbäder. Die Möglichkeiten, wie ich mit Pflanzen arbeite, sind vielgestaltig.

Mir ist wichtig, dass die verabreichten Phytotherapeutika einen standardisierten Wirkstoffgehalt besitzen. Aus meiner Sicht braucht es das, um heilkräftige Wirkmechanismen gewährleisten zu können. Zudem sollen die Pflanzen biologisch angebaut, und die Böden, auf denen sie wachsen, kontrolliert sein. Ich bin Mitgesellschafter bei Vitalsee Biotech GmbH, wo diese Aspekte Berücksichtigung finden. Vitalsee wurde gemeinsam mit Geschäftsführer Dr. Wolfgang Bittner gegründet. In diesem Unternehmen bin ich ärztlicher Beirat. Wir achten auf eine biologische Herkunft, auf Naturboden, Wirkstoff-Standardisierung, ein wertschätzendes Miteinander mit den Bauern und den Herstellern unserer Rohstoffe. Die Produkte werden auf einen Referenzwirkstoff standardisiert. Im Zuge des Patienten-Arzt-Gespräches erfolgt dann die Feinjustierung. Jeder Mensch ist ein Individuum und benötigt eine unterschiedliche Dosierung wie etwa hochsensible Personen oder Kinder.

Wie entscheidest du, welche Pflanze du für welches Anliegen einsetzt? Die Diagnose besteht aus einer Zusammenschau von Anamnese, Befunde (Labor, MRT, etc.), körperlicher Befundung und Beschau wie etwa Abtasten, Auskultation, Pulsdiagnostik, Zungenbeschau etc. Daraus ziehe ich Schlüsse und stelle ein Behandlungskonzept zusammen.

Ein Beispiel wie zwei Pflanzen für ein und dasselbe Thema unterschiedlich wirken: Liegt beispielsweise eine erhöhte Harnsäure vor, kann die amerikanische Montmorency-Kirsche (Prunus cerasus Montmorency) bei Entgleisungen des Harnsäurestoffwechsels verwendet werden. Sie reduziert Gichtschübe und kann daher präventiv zum Einsatz kommen. Darüber hinaus eignet sich die bei uns heimische Brennnessel (Urtica dioica/Urtica urens) bei überschüssiger Harnsäure. Sie wird aber vielmehr im Akutfall angewandt.

Hast du zum Schluss einen Tipp, welche Pflanzen für uns in der aktuellen Zeitqualität eine gute Stütze sein können? Ich schätze die Wirkkraft von Kurkuma (Curcuma longa) sehr. Sie kann regelmäßig genommen werden und senkt die Wahrscheinlichkeit an Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Diabetes mellitus Typ 2 und Demenz zu erkranken. Die Malaysische Thunbergie (Thunbergia laurifolia) ist eine ausgezeichnete Pflanze zur Verbesserung des Leberstoffwechsels, zur Begünstigung der Leber- und Blutentgiftung. Bei den vielen Belastungen aus unserer Umwelt wie etwa falsche Ernährung oder Alkohol können wir die Blätter der Thunbergie gut gebrauchen.

Lieber Josef, ich danke dir sehr herzlich für unseren Austausch.


Mehr über Mag. Michaele Lechner auf https://www.michaela-lechner.at/

 

Mag. Dr. med. univ. Josef Hutter

Wahlarzt für Allgemeinmedizin


VitaLogikum

Ganze Medizin für ganze Menschen

Saaßstraße 66

4421 Aschach an der Steyr


 

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